
Was einen guten Strickpullover ausmacht – und wie er es bleibt
Einen Strickpullover schaue ich mir meist erst an, nachdem ich ihn angefasst habe. Ich nehme ihn vom Tisch, wiege ihn in der Hand, drücke ihn zusammen und sehe zu, wie er sich wieder aufrichtet. Das klingt nach einem Ritual, ist aber die verlässlichste Prüfung, die ich kenne. Ein guter Pullover hat Gewicht, ohne schwer zu sein, er ist dicht, ohne steif zu wirken, und er kehrt in seine Form zurück, als hätte man ihn nie berührt. Die Strickstyles, die in diesem Herbst für Herren neu bei uns sind, haben diesen Test bestanden. Zopf, Relief, Rippe und eine freie Struktur: sehr unterschiedliche Handschriften, die etwas gemeinsam haben. Keiner von ihnen sieht nach Saison aus.
Vom Zopf bis zur Struktur
Den Anfang macht der Zopfstrick, der Pullover, an den die meisten Männer denken, wenn von einem Winterpullover die Rede ist. Seine Herkunft liegt bei den Fischern der irischen und schottischen Inseln, für die das plastische Muster vor allem wärmen musste. Mich interessiert an ihm heute etwas anderes: Der Zopf gibt dem Pullover so viel Struktur, dass er keine Farbe mehr braucht. Die vertikalen Stränge strecken die Silhouette, das dunkle Braun hält alles ruhig. Ich trage ihn am liebsten Ton in Ton mit einer dunklen Cord- oder Flanellhose und Wildlederschuhen in Schokolade. Eine zweite laute Oberfläche verträgt er nicht, und unter einen Mantel passt er nur, wenn dieser großzügig geschnitten ist, denn ein Zopfpullover trägt naturgemäß etwas auf.

Der Reliefstrick in Hellbeige ist sein leiserer Verwandter. Die Musterelemente laufen ebenfalls vertikal, aber so dezent, dass man sie eher im Streiflicht bemerkt als auf den ersten Blick. Aus der Entfernung wirkt der Pullover fast glatt, aus der Nähe handwerklich, und genau dieses Spiel macht ihn so vielseitig. Mit einem hellblauen Hemd darunter, dessen Kragen über dem Rundhals sichtbar bleibt, und einer anthrazitfarbenen Flanellhose wird er zu einer Alternative zum Sakko, die im Büro nichts an Haltung einbüßt.

Wenn mich jemand fragt, welchen Pullover er kaufen soll, wenn es nur einer sein darf, zeige ich ihm den feinen Rippenstrick in Beige. Die Rippe gibt dem Strick Elastizität und eine klare Linie, ordnet sich aber allem unter, was man dazu kombiniert. Über einem Hemd von Maffeis und zu einer grau karierten Hose ist er ein Herbstlook, der nach einem späten Frühstück in Mailand aussieht. Unter einem Sakko von Caruso sitzt er so flach, dass die Schulterlinie unberührt bleibt. Und mit dunkler Denim wird er zum Wochenendteil. Der Rippenstrick ist im Kleiderschrank, was der weiße Kragen beim Anzug ist: die Konstante, um die sich alles andere dreht.

Der vierte Stil ist der freieste und, wenn ich ehrlich bin, der, über den wir im Einkauf am längsten gesprochen haben. Der Strukturpullover in Hellblau arbeitet mit geometrischen Reliefflächen und wechselnden Strickrichtungen, eine deutlich modernere Sprache als Zopf oder Rippe. Verspielt wirkt er trotzdem nie, weil die Farbe einheitlich bleibt und sich das Muster allein über die Oberfläche zeigt. Hellblau ist im Herbst eine mutigere Wahl, als viele erwarten, und gerade deshalb so schön. Zur Chino und zu Lederschuhen entsteht etwas beinahe Mediterranes, das an grauen Tagen guttut. Diesen Pullover trägt man am besten allein, ohne Hemdkragen und ohne Schal, damit die Oberfläche für sich sprechen kann.

Was bleibt und was sich verändert
Oft werde ich gefragt, woran man erkennt, ob ein Strickstück zeitlos ist. Meine Antwort ist immer dieselbe: Zeitlos ist, was sich in Schnitt und Farbe zurücknimmt. Ein Rundhalspullover mit sauber gestrickten Bündchen, schmal, aber nicht eng, der knapp über dem Gesäß endet, wird nicht aus der Mode fallen. Dasselbe gilt für die Farben Marine, Grau, Kamel, Beige, Ecru und ein tiefes Braun. Wer seine Garderobe auf diesen Tönen aufbaut, kann alles andere frei variieren.

Was sich von Saison zu Saison verschiebt, sind Volumen und Oberfläche. Gerade bewegen wir uns weg vom sehr glatten Feinstrick und hin zu mehr Textur und Tiefe, und ich begrüße diese Entwicklung, weil Textur Qualität sichtbar macht. Ein Zopf- oder Reliefpullover ist deshalb kein Trendkauf. Er ist eher eine Rückkehr zu etwas, das es immer gab. Dass viele Styles dieser Saison einen Rundhals haben, ist übrigens kein Zufall. Er ist der vielseitigste Ausschnitt, funktioniert solo, über dem Hemd und unter dem Sakko. Der Rollkragen ist eleganter, verlangt aber eine bewusste Entscheidung gegen die Krawatte, und den V-Ausschnitt empfehle ich vor allem Männern, die regelmäßig Krawatte tragen.

Qualität, die man in der Hand spürt
Ein paar Dinge kann jeder im Laden selbst prüfen, ohne Fachmann zu sein. Hält man einen Pullover gegen das Licht, sieht man sofort, wie dicht er gestrickt ist, und je weniger durchscheint, desto länger behält er seine Form. Zieht man das Bündchen leicht auseinander, sollte es ohne Zögern zurückspringen. Bei Kaschmir lohnt es sich, genau hinzufühlen. Hochwertiger Kaschmir fühlt sich weich an, aber auch kühl und trocken. Ist ein Pullover auffällig flauschig, wurde die Oberfläche häufig aufgeraut, um kurze Fasern zu kaschieren. Das wirkt im Geschäft verführerisch und zeigt sich zu Hause nach wenigen Wochen als Knötchen an den Ärmeln. Zweifädiges Garn ist zudem robuster als einfädiges, und wer sich unsicher ist, fragt einfach uns.
Die Pflege entscheidet über die Lebensdauer
Der häufigste Grund, warum ein guter Pullover vorzeitig altert, liegt selten am Pullover. Es ist die Pflege, und die gute Nachricht ist, dass Strick weniger Aufmerksamkeit braucht, als viele glauben, nur eben die richtige.
Wie oft muss man Strick waschen?
Wolle und Kaschmir reinigen sich zu einem großen Teil selbst. Nach dem Tragen genügt es meist, den Pullover über Nacht flach ausgebreitet auslüften zu lassen. Einen Pullover, den ich über einem Hemd trage, wasche ich oft nur zwei- oder dreimal in der Saison. Ebenso wichtig ist die Pause: Strick braucht nach dem Tragen etwa einen Tag, damit sich die Fasern entspannen und kleine Dehnungen an Ellbogen und Bündchen zurückgehen. Wer seinen Lieblingspullover drei Tage hintereinander anzieht, verkürzt sein Leben spürbar.
Wie wäscht man Kaschmir richtig?
Wenn doch gewaschen werden muss, dann am liebsten von Hand in lauwarmem Wasser, höchstens dreißig Grad, mit einem Woll- oder Kaschmirwaschmittel. Den Pullover nur sanft im Wasser bewegen, nicht reiben und nicht wringen. Anschließend das Wasser vorsichtig herausdrücken, den Pullover in ein Handtuch einrollen und flach auf einem trockenen Tuch in Form ziehen. Heizung, direkte Sonne und Trockner sind tabu. Das Handwäscheprogramm moderner Maschinen ist eine gute Alternative, solange die Schleuder niedrig eingestellt bleibt. Wenn sich nach dem Trocknen Falten zeigen, hilft Dampf, ein Steamer oder schlicht das Badezimmer nach dem Duschen. Mit dem Bügeleisen sollte man Strick nicht in Berührung bringen.
Strick richtig lagern
Gefaltet gehört Strick in den Schrank, niemals auf einen Bügel. Das Eigengewicht zieht sonst die Schultern in die Länge und hinterlässt Beulen, die bleiben, und schwere Zopf- und Reliefpullover sind dafür besonders anfällig.
Pilling entfernen
Die kleinen Knötchen, die sich in den ersten Wochen an Kaschmir bilden, sind kein Mangel, sondern lose, kurze Fasern, die sich aus dem Garn lösen. Mit einem Kaschmirkamm oder einem feinen Fusselrasierer lassen sie sich entfernen, danach beruhigt sich das Maschenbild. Hört das Pilling nach einigen Wochen nicht auf, liegt es an der Faserqualität und nicht an Ihnen.
Strick über den Sommer einlagern
Bevor der Strick im Frühjahr in die Kiste wandert, sollte er gewaschen sein, denn Motten interessieren sich weniger für die Wolle als für das, was nach dem Tragen in ihr zurückbleibt. Atmungsaktive Baumwollbeutel statt Plastik, dazu Zedernholz oder Lavendel, und der Pullover kommt im Herbst so zurück, wie er gegangen ist. Das Zedernholz alle ein, zwei Jahre leicht anzuschleifen, sorgt dafür, dass es seinen Duft behält.
Ein Pullover, der mit den Jahren gewinnt
Ein guter Strickpullover gehört zu den wenigen Kleidungsstücken, die mit der Zeit schöner werden, vorausgesetzt, man geht richtig mit ihnen um. Wer in diesem Herbst einsteigen möchte, beginnt am besten mit dem Rippenstrick in Beige als Basis und ergänzt dann einen Pullover mit mehr Charakter, den Zopf für alle, die es klassisch mögen, den Strukturstrick für alle, die etwas Frische suchen.
Am besten kommen Sie bei uns in Düsseldorf vorbei. Ich lege Ihnen die Styles gern nebeneinander, und Sie werden in der Hand spüren, wovon ich hier schreibe. Wer es unkomplizierter mag, erreicht uns über WhatsApp. Wir schicken Ihnen Fotos und beraten Sie zu Größe, Farbe und Kombination.
Pierre Zielinski












